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Das ETO-Ausbildungsprogramm landet bei bundesweiter Studie auf Platz drei unter den Automobilzulieferern – so funktioniert es

Montag, 19 Juli 2021 09:46

Südkurier

Das Ausbildungsprogramm der Firma ETO aus Stockach ist bei einer bundesweiten Studie des Instituts für Management und Wissenschaft auf Platz drei unter den Automobilzulieferern gelandet. Die Übernahmequote und Zusatzangebote überzeugen. Was die Azubis an der Lehrwerkstatt schätzen und worauf Ausbildungsleiter Michael von Briel besonders stolz ist.

Ausbildungsleiter Michael von Briel in der Lehrwerkstatt bei ETO. Der 34-Jährige kümmert sich um die Auszubildenden. Im Hintergrund bedient einer von ihnen gerade eine automatische Anlage in der neuen Lehrwerkstatt.. | Bild: Mario Wössner

In der Ausbildungswerkstatt bei ETO ist es laut, die Maschinen laufen. Mehrere Azubis bedienen die manuellen und automatischen Anlagen, um zu üben – natürlich mit Mundschutz. Einer von ihnen ist Kian Norozi. Der 22-Jährige macht seit September 2019 eine Ausbildung zum Mechatroniker. Er kommt ursprünglich aus Pfullendorf. Von seiner Mutter, die in einer Stockacher Apotheke arbeitet, habe er vom guten Ruf der Ausbildungen bei ETO erfahren. Michael von Briel, Ausbildungsleiter bei ETO bestätigt das: „Wir hören in den Vorstellungsgesprächen oft, dass wir als Ausbildungsbetrieb einen sehr guten Ruf haben und dies entscheidend für die Bewerbung war.“

Spitzenplatz unter Automobilzulieferern

Vor wenigen Wochen landete das Ausbildungsprogramm sogar in einer bundesweiten Studie des Instituts für Management und Wirtschaftsforschung (IMWF) auf Platz drei unter den Automobilzulieferern. Insgesamt seien rund 12.000 Unternehmen untersucht worden, sagt Jörg Forthmann, der Geschäftsführer des Instituts. Die Zahl der teilnehmenden Automobilzulieferer habe bei etwa 200 gelegen. „Wenn man bundesweit in seiner Kategorie zu den besten drei Unternehmen gehört, dann ist man ein exzellenter Ausbildungsbetrieb“, sagt Forthmann. Für die Studie seien zwei Quellen hergezogen worden: Einerseits Aussagen in Online-Medien auf Bewertungsplattformen und in Blogs über das Unternehmen, andererseits ein Fragebogen über die Ausbildungsprogramme, der an die Unternehmen verschickt worden sei. So habe man Informationen zu vielen Kriterien wie Arbeitsplatzsicherheit, Zufriedenheit, Arbeitsklima, Kollegenzusammenhalt, Personalführung, Entlohnung und Übernahmechancen für Auszubildende erhalten, erläutert Forthmann. „Das ist eine sehr umfassende Beleuchtung der Ausbildungsbetriebe. Ich kenne keine Studie, die das noch umfassender durchführt“, sagt er.

So läuft die Ausbildung ab

In einem Container auf dem Firmengelände im Hardtring hat sich Ausbildungsleiter Michael von Briel mit dem SÜDKURIER getroffen. Er erläutert das Programm: „Wir bilden in fünf technischen und zwei kaufmännischen Ausbildungsberufen sowie in vier dualen Studiengängen aus.“ Die Auszubildenden hätten ein bis zweimal wöchentlicher Unterricht in verschiedenen Berufsschulen, zum Beispiel in Singen, Radolfzell oder Konstanz. Duale Studenten seien im Wechsel immer jeweils drei Monate im Betrieb oder an der dualen Hochschule (DHBW) in Friedrichshafen.

Azubis durchlaufen mehrere Fachabteilungen

Etwa zwei Drittel der 75 Auszubildenden werden in der Lehrwerkstatt von drei hauptamtlichen Ausbildern gefördert. Dort können sie an reinen Übungsanlagen sowie an manuellen und automatischen Maschinen lernen. „In der neuen Lehrwerkstatt verbringen unsere gewerblichen Auszubildenden die meiste Zeit. Darüber hinaus werden sie auch in verschiedenen Fachabteilungen eingesetzt“, erklärt der 34-Jährige. Jeder habe eine Heimatabteilung, in der er fest angestellt ist. „Aber unsere Dualen Studenten durchlaufen natürlich auch andere Fachabteilungen“, ergänzt er. Maschinenbau sei die klassische und aktuell noch häufigste Ausbildung. Doch es gibt bei ETO einen Wandel hin zu Elektrotechnik und Software. „Deshalb bieten wir mit Embedded Systems einen neuen und zukunftsorientierten dualen Studiengang an, welcher sich unter anderem mit der Software in Fahrzeugen und der Kommunikation der einzelnen Komponenten beschäftigt.“ An der DHBW in Friedrichshafen gibt es ihn seit etwa einem Jahr.

Azubis schätzen die moderne Lehrwerkstatt

Kian Norozi erklärt, was er an seiner Ausbildung so schätzt: „Die Ausbildung ist sehr abwechslungsreich. Wir lernen an modernen Anlagen und werden über das Pflichtprogramm hinaus nach unseren Interessen gefördert.“ In seinem Fall sei es das Programmieren. „Es direkt an den Maschinen zu üben, ist hilfreich, weil man direkt sieht, was durch das Programmieren passiert“, erklärt er. Das Ausbildungsprogramm ist im Mai in ein neues Gebäude umgezogen. Die neue Lehrwerkstatt sei laut von Briel mit modernsten Maschinen ausgestattet – teilweise neuer als die in der richtigen Produktion. „Nur so können wir überdurchschnittliche Mitarbeiter ausbilden“, sagt der Ausbildungsleiter. Kian Norozi findet es zudem gut, dass bei der Übernahme, wenn er in eine feste Abteilung kommt, seine Interessen berücksichtigt werden. Denn das Ziel sei es laut von Briel, jeden Azubi am Ende auch zu übernehmen.

Fast alle Lehrlinge werden übernommen

„Uns zeichnet aus, dass wir eines der wenigen Unternehmen in der Region sind, die nach erfolgreichem Abschluss hundert Prozent der Azubis und Studenten unbefristet übernehmen. Wir bilden nicht aus, um eine Quote zu erfüllen, sondern um Top-Mitarbeiter für ETO zu gewinnen“, erklärt er.

Auch Adrian Sailer macht eine Ausbildung zum Mechatroniker. Er ist bereits im dritten Lehrjahr. Er sagt: „Mir gefällt die Ausbildung, weil es viele Möglichkeiten gibt, sich selbst entlang der eigenen Interessen weiterzubilden.“ Der Roboter, an dem er gerade übe, sei eigentlich nicht in seinem Ausbildungsprogramm vorgesehen – aber es interessiere ihn sehr. „Wir können hier an den kleinen Anlagen üben, und das dann später an den großen Maschinen umsetzen.“

„Ich bin stolz darauf, diesen Bereich leiten zu dürfen“

Zudem gibt es laut von Briel besondere Angebote für Team-Building und die Persönlichkeitsentwicklung. „Wir bieten eine Einführungswoche, gemeinsame Veranstaltungen, wie zum Beispiel der Azubi-Ausflug, und Auslandspraktika an unseren internationalen Standorten“, zählt der 34-Jährige auf. Er weiß wovon er spricht: Er hat das Ausbildungsprogramm vor 15 Jahren selbst durchlaufen. Seitdem arbeitet er im Unternehmen – seit einem halben Jahr als Ausbildungsleiter. „Ich bin sehr stolz darauf, diesen Bereich leiten zu dürfen.“

Südkurier Redakteur @: Mario Wössner

 

Das Ausbildungsprogramm

Die ETO GRUPPE entwickelt und produziert elektromagnetische Ventile, Aktoren und Sensoren für Fahrzeuge und Anlagen weltweit und beschäftigt etwa 2.400 Mitarbeiter sowie 75 Auszubildende und Studenten. Das Unternehmen bietet die fünf gewerbliche-technische Ausbildungen als Mechatroniker, Zerspanungsmechaniker, Industriemechaniker, Technische Produktdesigner und Fachinformatiker Systemintegration sowie zwei kaufmännische Ausbildungen zum Industriekaufmann und zur Fachkraft für Lagerlogistik. Zudem gibt es die vier dualen Bachelor-Studiengänge aus den Bereichen Maschinenbau, Elektrotechnik und Embedded Systems, einer Verbindung von Informatik und Elektrotechnik. (maw)